Bremen – Stadt der Wissenschaften 2005

Streiflichter von wissenschaftlichen Ausstellungen Bremens und Bremerhavens 2005

Bremen - das sind nicht nur die Bremer Stadtmusikanten Der Roland von Bremenund ist nicht nur der Roland. Bremen und seine Schwesterstadt Bremerhaven sind auch Standorte von Forschungsinstituten, und diese präsentieren in diesem Jahr ihre Arbeit in einer Vielzahl von Aktionen - seien es Radioprogramme, Workshops, Vorträge, Präsentationen oder Ausstellungen - insgesamt etwa 700 Veranstaltungen.Das Universum Science Center
In der Nähe der Universität steht das an eine im Meeresboden steckende Muschel erinnerndes Gebäude des Universum Science Center Bremen, das nicht nur 2005 für Besucher geöffnet ist. Drei Wissens-Komplexe werden demonstriert: Die Erde mit ihrem Schalenaufbau, der Plattentektonik, dem Erd-Magnetismus bis hin zu den Meerestiefen und den extremen Wettererscheinungen (Tornados), der Mensch von der Zeugung bis zu den Welten des menschlichen Geistes, der Kosmos vom Urknall bis zu den kleinsten Strukturen der Materie.
Speziell für 2005 ist hier die interaktive Sonderausstellung  „Sprechende Körper“  installiert worden, die mehr als 40 Stationen umfasst. Hier wird der Besucher mit scheinbar alltäglichen Ritualen, die die Menschen untereinander austauschen, konfroniert. Dabei werden aber auch erstaunliche Dinge zutage gefördert, über die man sich sonst kaum Gedanken macht. Modellierung eines Tornados mittels WasserdampfSchon bei der Begrüßung gibt es eine Reihe von Varianten, deren Unterschiede noch gravierender werden, wenn es sich um Angehörige verschiedener Kulturkreise handelt. Dagegen sind mimische Ausdrücke von Ekel, Skepsis, Freude, Wut und anderer Emotionen offenbar genetisch verankert, denn sie sind international die gleichen. An Computern werden Besuchern verschiedene Gesichtsausdrücke gezeigt, die der Besucher dann bestimmten Emotionen zuordnen kann.
Gesten begleiten die Rede der Menschen eigentlich immer, aber sie bedeuten nicht immer auch das gleiche: An einer großen Weltkugel aus Metall lässt sich per Kopfhörer erfahren, was beispielsweise ein Kopfnicken in anderen Ländern bedeutet oder weshalb es in Afrika Tabu ist, den Daumen in die Luft zu strecken. Leuchtbilder ergänzen die Erklärungen. Taubstumme kommunizieren miteinander mittels der Gebärdensprache. „Buchstabieren“ Sie einmal Ihren Namen in Gebärdensprache - für einen Ungeübten trotz Hilfstafeln eine komplizierte Sache.
Im Bremer Rathaus zeigen verschiedene Bremer und Bremerhavener Institute Stationen einer  Zeitreise  durch Millionen von Jahren. Korallen als tausendjährige Klima-KalenderEin Beispiel: Schon länger bekannt ist das Vorhandensein methanfressender Bakterien im Schwarzen Meer. Neuere Untersuchungen haben das erstaunliche Resultat ergeben, dass diese Bakterien zum Stoffwechsel keinen Sauerstoff benötigen, deshalb können sie in methanhaltigen und sauerstofffreinen Senken des Meeresbodens existieren. Sie verbrennen das Methan mittels des reichlich vorhandenen Sulfats. Dabei entstehen Sulfid und Bicarbonate. Daraus und aus der gleichzeitig frei werdenden Energie bauen die Bakterien nicht nur ihre eigenen Eiweiße, sondern auch die Stützstruktur der vier Meter hohen Riffe. Da vor drei Milliarden Jahren auf der Erde kein freier Sauerstoff vorhanden war, kann somit organische Materie auch ohne Anwesenheit von Sauerstoff entstanden und sich abgelagert haben.
Bremerhaven präsentiert sich 2005 als Stadt der maritimen Wissenschaften. Modell eines modernen Containerschiffes, ausgestellt in einer Box der ContainerausstellungDiesem Gedanken folgt das ContainerTerminal -  Meer Wissen aus Bremerhaven . Begehbarer Container als AusstellungsraumDiese in begehbaren Containern untergebrachte Ausstellung befasst sich mit Themen wie: (Über-)Leben in der Antarktis (Leben in der Neumayer-Station), Meeresforschung (Schiffe für die Meeresforschung, Erforschung des Meeresbodens, des Klimas und anderer Faktoren zum besseren Verständnis des Wandels von Klima und Umwelt), Migrationsforschung (Auswirkung der Migration auf die Entwicklung der Hafenstädte insbesondere in der Zeit zwischen 1832 und 1974) u.a.
Speziell zur Situation, den Lebensumständen und den Schicksalen der deutschen Amerika-Auswanderer im 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts ist 2005 in Bremerhaven am Neuen Hafen ein eigenes Museum eröffnet worden (einige Details s. "Der Spiegel" Nr. 32 v. 8.8.05 sowie Sächsische Zeitung v. 9.8.05).
G.S.