Prof. Müller-Steinhagen und das Projekt Desertec |
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Am 22. Juli 2010 stellte Prof. Dr. Dr.-Ing. (habil.) Hans Müller-Steinhagen sowohl sich selbst als neuer Rektor der TU Dresden als auch das Projekt Desertec den Studierenden und Mitarbeitern
der TU vor. Wenn auch die Klimaanlage des Audimax-Hörsaals gegen die eingefangene Hitze und Schwüle des Tages nicht recht ankam, war doch jeder Platz besetzt. Einige der Hörer
mussten sich sogar mit Plätzen auf den Stufen oder gar mit Stehplätzen begnügen. Nicht nur, dass Prof. Müller-Steinhagen selbst sprach, auch das Projekt, das er in seiner
Eigenschaft als Vorsitzender des internationalen Beratergremiums der Desertec-Initiative vorstellte, erweckte breites Interesse.
Desertec ist ein multikontinentales Energieprojekt, mit dem das Problem der zukünftigen Energieversorgung hauptsächlich unter Nutzung der Solarenergie gelöst werden soll.
Prof. Müller-Steinhagen ging von der sich bereits abzeichnenden Entwicklung aus, dass der Energiebedarf der Staaten von Europa, dem Mittleren Osten und Nordafrika (EUMENA) in den nächsten
Jahrzehnten gewaltig anwachsen wird. Nach Untersuchungen, die 50 Länder dieser Erdteile umfassen, würde zwar Europa nur einen moderaten Anstieg des Energiebedarfs bis 2050 verzeichnen.
Anders die Situation im mittleren Osten und in Nordafrika. Dort würde – entgegen dem Bedarf – die Energieerzeugung sogar zurückgehen, da ältere Kraftwerke infolge
technischer und sicherheitsrelevanter Probleme zunehmend vom Netz genommen werden müssten. Neue Kraftwerke zu errichten wäre mit hohen Kosten verbunden, da auch die Emissionsraten immer
weiter reduziert werden müssen. Ob diese Kosten von den Bedarfsträgern übernommen werden können, ist in vielen Fällen nicht gewährleistet. Zudem wächst der Bedarf
an Trinkwasser immens, dieser kann nur befriedigt werden, wenn genug Energie zur Entsalzung von Meerwasser bereitsteht.
Dieser hauptsächlich im Nahen Osten und in Afrika (aber z.T. auch in Europa) zu erwartende riesige Energiehunger kann mit herkömmlichen Kraftwerken nicht gestillt werden. Es gibt (in
Europa) zwar günstige Energiegewinnungsmöglichkeiten mittels Wasserkraft, an einigen Stellen auch mittels Windkraft sowie mittels anderer Energieträger. Diese Alternativen
können aber nur kleine Beiträge zur Energieversorgung leisten.
Die größte Reserve besteht in der Sonnenergie. Das Projekt Desertec will sich dabei statt auf Photovoltaik auf
die Dampferzeugung mittels Sonnenwärme stützen. Den Vorteil sieht man darin, dass hierbei eine Energiespeicherung mittels Flüssigsalzen möglich ist, deren Wärme in der
Nachtzeit zum Weiterbetrieb genutzt werden kann. Photovoltaik-Anlagen würden in dieser Zeit keinen Strom liefern können, außerdem in heißen Gegenden ohnehin weniger effizient
arbeiten. Wie ergiebig diese Energiequelle wäre, zeigt folgender Vergleich: Ein Solarkraftwerk mit der Größe des Assuan-Stausees entspräche energetisch der gesamten
Ölproduktion im Mittleren Osten. Die Sonnenenergie steht jedoch in Nordafrika weitaus günstiger zur Verfügung als in Europa.
Die Desertec-Initiative soll aber keinen Energie-Monopolisten erzeugen. Es wäre nicht sinnvoll, bestimmte Energieträger von vornherein von der Nutzung auszuschließen. Dabei sollen
die bestehenden Kraftwerke und kleineren Energieerzeuger (z.B. Kohle, Öl- und Biogas-Anlagen, Wind- und Wasserkraftanlagen, jeweils an optimalen Standorten) als dezentrale Energiequellen
durchaus bestehen bleiben. So könnte ein Energienetz entstehen, in dem die Energie von allen Erzeugern (vornehmlich natürlich aus Solarenergie) rationell erzeugt und allen
Bedarfsträgern kontinuierlich zur Verfügung gestellt werden kann (siehe Karte). Es ist das Ziel, bis zum Jahr 2050 15% des europäischen und einen überwiegenden Teil des
nordafrikanischen Strombedarfs mit erneuerbaren Energien in den Ländern des Mittleren Ostens und Nordafrika zu erzeugen.
Dafür müssen sowohl die technischen, wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen wie auch eine breite öffentliche Akzeptanz in den beteiligten Ländern geschaffen werden.
Derzeit umfasst die Desertec-Initiative 17 Voll- und 20 assoziierte Mitgliedsfirmen.
(Die gesamte Powerpoint-Demonstration des Vortrages siehe unter http://tu-dresden.de/aktuelles/rektorvortrag2010)
G. Silbernagl