PentaCON 2001
|
|
|
Zum ersten Male JahresCON des SFCD in Dresden. Als uns das angetragen wurde in Dortmund, gab's erst mal gewisse Skepsis und in erster Instanz wurde es als nicht machbar eingestuft. Alldiweil unser Potenzial an Aktivisten recht gering. In Anbetracht der Leipziger und mit der URANIA im Rücken sowie einem ganz brauchbaren CON-Ort wurde es doch realisiert. Und im Nachhinein sind wir froh. Selbst wenn es nur so wäre, dass einige Besucher ihre Vorstellungen von uns und Dresden ein wenig revidieren mussten, dann wär's schon was gewesen. Der CON hat die meisten Erwartungen soweit erfüllt und Dresden wurde wohl von niemanden als schlecht empfunden. Das bauchmiezelt natürlich. Freilich gibt es immer Ungereimtheiten, Fehler und Dinge, die bei mitunter genaueren Prüfens eines winzigen Details hätten anders laufen können. Das ist, glaube ich, kein Makel. Das passiert auf jedem CON und gestandene Teilnehmer sind darauf eingeschossen, wissen das zu verkraften. Denn ein CON ohne gewisse Pannen wäre Kalter Hund. Eine CON-Ausstellung muss man haben und schon gar in der Kunststadt Dresden. Wir wählten Klaus Brandt. Er beschäftigt sich nicht mit abstrakten Darstellungen, sondern viel mit Illustration, Titelbildern und Fantasy. Und hat die Möglichkeit, sich gut zu repräsentieren mit perfektem Druck und auch grossen Formaten. Zudem sind auch die Beziehungen zwischen Dresden und Hoyerswerda seit vielen Jahren prächtig. Sonst hätte ich es nie gewagt, die einleitenden Worte zur Ausstellung zu verzapfen. Zum Glück kenne ich ihn schon ziemlich lange und auch die meisten der Anwesenden. Die Ausstellung wurde erst am Donnerstag aufgebaut nebst einer Dokumentation über Wolfgang Jeschke, für welche sich Erik Simon verantwortlich zeigte und ein großes Engagement zu Tage legte. Am selbigen Abend flog schon Wolfgang Jeschke mit Ehefrau in Dresden ein, wurde sowohl am Bahnhof als auch dem CON-Hotel mit einem »Empfangskomitee« in der Landeshauptstadt willkommen geheissen. Am späteren Abend auch zu Schwatzumtrunk als Vorgeplänkel gewissermassen. Das Hotel »Artushof« am Fetscherplatz ist zwar eine gute Adresse und auch für das Pentacon günstig gelegen, hatte aber auch einen Nachteil, der uns nicht bewusst wurde, da wir schon reichlich lange fast überall damit leben: Bau- und Straßenlärm. Am Freitag Vormittag gab es im Pentacon vorm Hintergrund der Ausstellung einen Pressetermin mit dem Dresden-Fernsehen, wo BiFi als erste Vorsitzende des SFCD auch ihr erstes richtiges Interview geben musste. Leider haben die Jungs von der Drehscheibe was grässliches draus gemacht. Man ist ja einiges gewöhnt, aber der Knaller, dass wir in Dresden uns Science Fiction nicht ohne Jules Verne und Erik Simon vorstellen könnten, stellte bodenlosen Dilettanten-Journalismus dar. Zum Glück wirklich sehr regionales Fernsehen. Freitagabend Eröffnung durch Prof. Dr. Klemens und Ralf-Peter Krämer von der URANIA und BiFi als SFCD-Vorsitzende. War angenehm kurz und prägnant. Der CON wurde allgemein positiv aufgenommen. Bei der Sache mit der Gastronomie haben wir wohl absolute Anfänger gegriffen, zumindest jedoch haben sie sich Mühe gegeben. Das Programm gestaltete sich nach unseren Erfahrungen auch reichlich flexibel, so dass man auch mal bei dem weiten Weg, den ja viele doch zurücklegen mussten, wenigstens einen Blick auf Elbflorenz (ich habe mit Ver gnügen Stimmen gehört, die sich erst mal so richtig bewusst geworden sind, warum das so heisst und warum auch mit recht) werfen und etwas anderes zu essen konnte als Nudeln mit warmen Bier. Es wäre Quatsch gewesen, am Sonnabend über den Mittag, als ohnehin der SFCD tagte und also ein guter Teil der Teilnehmer »gebunden« war, noch irgendwelche Veranstaltungen einzubasteln. Die Beteiligung wäre wohl ausserordentlich gering gewesen und soviel haben wir auch schon gelernt (nich wahr, immerkriti SIEB?). Zumal es ein richtiger Sauna-CON geworden ist, eins der heißesten Wochenenden im Jahr. Um so rühmlicher, dass es eine Masse im Saal ohne Klima und stellenweise nicht mal Lüftung (wegen Waldemars Aufzeichnungen und diversen Streetradau) bei den Veranstaltungen ausgehalten hat. Leider wurden dann auch zwei Veranstaltungen getauscht. Steinmüller wurde vorgezogen, weil für den an der Stelle vorgesehenen Vortrag eine Verdunklung nötig gewesen wäre. Allerdings nutzen wir nun schon zum dritten Male die Einrichtungen des Hauses und eigentlich sollten wir auch nicht vergessen haben, dass das eine alte Kultureinrichtung ist und die hatten auch zu DDR-Zeiten schon Rollos zwecks Dias und so. Scheinen wir leider auch schon zu vergessen. Vor allem hätte auch ein kurzer Check genügt. Nun, Karlheinz ist brillant und es gab Missmut bei Teilnehmern, die sich auf das Programm verlassen hatten. Robert Vogel überraschte viele damit, wie tief er wirklich in der Materie des Films steckt. Nicht nur ich, der ich ihn schon lange als Mann des Händlertums, der Fantasy und auch aus diversen Filmzeitschriften kenne, war überrascht von der Präsentation sehr intimen Materials und ausgesprochener Sachkenntnis. Wir mussten zwar auf unsere sonstigen Grosshändler Kratz und Rauscher verzichten, da sie anderweitig besser dran sein wollten. Das liegt wohl auch an unseren Bedingungen, aber ich denke, Robert, Micha und Egon sind auf ihre Kosten gekommen. Und der URANIA hat das wunderbare Paket von Jeschke/Heyne sehr geholfen. Ein ganzer Tisch voll sehr guter und neuer Sachen. Nicht der dritte Teil aus einer siebenbändigen Pentalogie, wie man sie fast nur noch im Bahnhofsbuchhandel antrifft, sondern fast nur Romane von Spitzenautoren. Und natürlich das Heyne-Jahrbuch, was gewissermassen glatt verdunstete. Und nicht nur, um es von Wolfgang signieren zu lassen. Was er ohnehin reichlich tun musste. (Wie sagte Jesco von Puttkamer in Leipzig: Wenn ich schon mal hier bin, dann quetscht mich ruhig auch aus! Was wir uns freilich nicht zweimal sagen lassen). Dennoch. Horst Pukallus sagte mir mal im Auxilium Düsseldorf, dass wir mit unseren Autoren viel respektvoller umgehen. Ob er recht hat, kann ich nicht so einschätzen, aber was sollte dran schlecht sein. Horst hat mir sowieso gefehlt, speziell bei der Podiumsdiskussion. Es sollte halt nicht sein oder wie es so schön heisst: man kann nicht alles haben. Beim Podium kamen die goldenen CON-Gäste (weil sie ein goldenes Batch trugen, freilich) zu Wort: Kröger, Hahn, Jeschke, Simon als Dirigent, Steinmüller, Krohn. Es wurde unser Motto »Die Vergangenheit in der Zukunft« durchgewalkt und gab interessante Sequenzen, auch ein paar neckische Spitzen. Und vielleicht sollte man sowas auch nicht unbedingt zur Selbstdarstellung nutzen (Übrigens, Rolf: Der Indianer kennt keinen Schmerz!). Es gab die Preisverleihung von SFCD und Kurd Laßwitz. In bewährter ruhiger und sachlicher Manier durch Udo Klotz und für die Buchstütze durch den anderen Udo. Da hätte man sich eventuell ein noch etwas feierlicheres Ambiente gewünscht, aber man muss mit dem leben, was man hat. Fein, dass es Michael Marrak entgegen noch kurzvorheriger Absage zu kommen. Ich hoffe, er hat mit Begleiterin einen guten Eindruck von Dresden mitnehmen können. Tja, der SFCD. Es gab die Mitgliederversammlung, natürlich einen Stand und viele Mitglieder, die erstmals hier waren. Und es gab freilich wieder mal Diskussionen über die Tatsache, dass kaum jemand von uns Mitglied ist. Ich will es an dieser Stelle noch mal erwähnen, obwohl es Leute wie Herbert Thiery schon seit längerem erkannt haben, was wir immer als Trauma von Den Haag bezeichnen. Kurz nach der Wende, sechs Wochen nach der D-Mark konnten wir plötzlich zu einem World-CON kommen. Sehr selten in Europa, sprich: leicht erreichbar. Eine riesige Woge aus dem Schlaraffenland der SF/Fantasy, von der wir bisher nur paar Tropfen lutschten. Augen, Ohren und Hirn aufsperren. Alte Briefpartner kennenlernen, die ganz Großen leiblich bestaunen. Bis zu 18 Programme gleichzeitig. Für jeden Geschmack (selbst wenn man manchen davon noch gar nicht hatte) usw. Und dann gluckt der SFCD über vier Stunden zusammen um in einer bodenlosen Vereinsmeierei (das Vereinsrecht für uns noch spanische Dörfer) über krümelkäsige Satzungsdetails zu labern und Waldemar ausführlich erklären zu lassen, warum und wie er in bestimmten Zeiträumen seine Tonbänder umspult. Das war so extrem niederschmetternd, dass es halt grösstenteils noch heute anhält und wohl auch nicht so richtig auszubügeln ist. Die Fernsehserie »Stunde des Skorpions« hat viel Aufmerksamkeit erregt. Es war eine Leihgabe des Deutschen Fernseharchivs und wir bemühen uns um Kaufkopien, da es viele lieber zu Hause in Ruhe ansehen würden. Und für die Sammler natürlich. Als Nachspeise der Ausflug nach Sebnitz in den Saurierpark mit SF-Elementen. War ganz lustig und die Fahrt im Schienenbus sehr schön. Und ich hab's versprochen, im CON-Bericht aufzunehmen. Beim Gang nach Tschechien zwecks guten und preiswerten Mittagessen kam Herberts Requina dank jetzigem deutschen Pass locker rüber. Wir freilich auch alle. Nur unser grosser Beamter Herbert blieb stecken wie der Korken im Enghals. Hatter doch glatt vergessen, dass sein Ausweis per 1. ausgelaufen war. Und da sind die Brüder knallhart. Dabei hat der Bedauernswerte bei allen vorherigen Essensgängen auf Knödel verzichtet, um sie in Tschechien »echt« zu essen. Wir sollten ihn bissel bedauern. Sicher hab ich eine Menge vergessen, aber es soll nur so zur späteren
Erinnerung dienen und für diejenigen, welche nicht dabei sein konnten/wollten/durften. Hohlonetto Sächsische Landeshauptstadt Dresden, in den ersten Herbsttagen
2001 |
Weitere Beiträge zum Penta-Con 2001: Hat Science Fiction eine Zukunft? Bilder vom Con:
|