Wieder Seefliegerei an der Ostseeküste? |
|
Die Seefliegerei an der Ostseeküste war schon einmal weit entwickelt. Bereits 1910 startete das erste Flugboot in Plau am See.
Damit
begann die Blütezeit der Fliegerei mit Wasserflugzeugen in Mecklenburg-Vorpommern, die bis 1939 dauerte. Nicht zu vergessen auch die "Blaue Linie" – eine Wasserflugverbindung zwischen
Dresden und Hamburg-Altona 1925/26, die erste Wasserfluglinie Europas auf einem Binnengewässer. In der 30er Jahren gab es sieben Seeflugstandorte an der Ostseeküste, darunter Sellin auf
Rügen, Kloster auf Hiddensee, Stettin, Warnemünde, Sassnitz, Swinemünde. Man flog auch mit Wasserflugzeugen nach Malmö und Stockholm.
Die intensive Entwicklung der Verkehrs-Infrastruktur, der zunehmende Individualverkehr, das Aufkommen von Hubschraubern, aber auch die politischen Veränderungen im Ostseeraum nach dem Zweiten
Weltkrieg veränderten die Rahmenbedingungen des Wasserflugverkehrs, so dass eine Fortführung dieser Tradition nicht mehr möglich erschien. So wurden alle Aktivitäten des
Ostsee-Flugverkehrs – bis auf jährliche Seefliegertreffen in Hamburg – eingestellt. Die nachfolgende Entspannung der politischen Lage in den Ostsee-Anrainerstaaten betrachten die Gründer des Förderkreises Luft- und Raumfahrt
Mecklenburg/Vorpommern e.V. nunmehr jedoch als günstige Voraussetzung zur Wiederbelebung der alten Tradition. Natürlich fliegen Wasserflugzeuge anders als moderne Airbus-Jets. Die Weiten und Geschwindigkeiten der Flüge sind wesentlich geringer, die Passagierzahl der
kleinen Maschinen ist begrenzt, die Gewässer müssen günstige Wasserungsbedingungen bieten (keine zu hohen Wellen, keine Treibeisschollen). Zusammen mit einem viel unmittelbareren
Flugerlebnis könnten aber gerade diese Besonderheiten einen solchen Flug zum touristischen Höhepunkt machen.
An der Ostseeküste
gibt es bereits eine ganze Anzahl von Fünf-Sterne-Hotels, deren Betreiber händeringend nach ostseetypischen Attraktionen für ihre zahlungskräftigen Gäste suchen. Die
Klientel dürfte also vorhanden sein.
So entstand das Projekt "Aero Baltic of Seaflying in Southern Baltic", mit dem der Seebäderflugverkehr zwischen den Ostseeanliegerstaaten wiederbelebt werden soll. Damit könnte auch der
Wirtschaft, die gerade im Ostsee-Anliegerraum schwach entwickelt ist, neue Impulse gegeben und auch die Integration des Europäischen Entwicklungszentrums "Südliche Ostsee" vorangebracht
werden. –
Eine kleine Ausstellung im Verkehrsmuseum Dresden informierte im Sommer 2010 über die damaligen Wasserflugzeuge und das einstige Wasserflugnetz entlang der Ostseeküste.
G. Silbernagl