TERRAsse


In dieser Zeit tiefgreifender Veränderungen und Reformen kann und wird auch TERRAsse nicht zurückstehen. Neue Autobahnen, neue Juice-Shops und Chip-Fabriken gestalten unsere Landschaft neu. Um für die Zukunft gerüstet zu sein, ist es erforderlich, alte Hüte abzulegen, alte Zöpfe abzuschneiden und alte schlechte Gewohnheiten über Bord zu werfen. Trennt endlich st! Das Land braucht eine Rechtschreibreform. TERRAsse wird es sich nicht nehmen lassen, die neuen Regeln beizeiten anzuwenden. Die künftigen Hefte von TERRAsse werden also in drei Versionen erscheinen: deutsch, neudeutsch und Kisuaheli*. Dieser Vorgriff ist logisch, werden doch die meisten in TERRAsse beschriebenen Ereignisse in der Zukunft schon geschehen sein. Er wirft jedoch ein Licht auf ein weiteres Problem, das dringend einer Lösung bedarf: Auch eine Reform der Grammatik ist aus Sicht von TERRAsse dringend erforderlich! Die derzeit gebräuchlichen Zeitformen bei der Konjugation von Verben sind beileibe nicht ausreichend. So fehlt in der deutschen Sprache eine Zeitform für in der Zukunft bereits geschehene Ereignisse**; desweiteren sprachliche Entsprechungen für die verschiedenen Wahrscheinlichkeitsstufen in der Zukunft bereits geschehener Ereignisse, die immerhin von null bis einhundert Prozent variieren (von den Stellen hinter dem Komma einmal ganz abgesehen).

Noch vollständiger versagt die deutsche Grammatik bei Ereignissen, die in alternativen Welten stattgefunden haben (stattfinden, stattfinden werden, stattgefunden haben werden …). Nachdem die Existenz solcher Parallelwelten mittlerweile in Fachkreisen unbestritten ist, besteht von seiten der Germanisten sowie der Kultusminister dringender Handlungsbedarf.

Nicht zu vergessen ist auch der positive Einfluß einer derart einschneidenden Reform auf den Arbeitsmarkt: Die Zeit des gesetzlich vorgeschriebenen Schulbesuchs wird sich auf zirka 35 Jahre erhöhen, die Entlassung von Lehrern aufgrund geburtenschwacher Jahrgänge läßt sich vermeiden und dem allgemeinen Arbeitsmarkt wird (zumindest für die Dauer von 25 Jahren) eine Schwemme von Lehrstellensuchenden erspart. Und wenn in 25 Jahren dann die deutsche Wirtschaft vollständig am Boden liegt, wird es genügend ausgebildete junge dynamische Menschen geben, die grammatisch exakt erklären können, wie wann warum alles ganz anders gelaufen wäre/gelaufen ist/gelaufen sein wird/gelaufen worden sein wäre (…) und alle die Wahrscheinlichkeiten, die noch dazwischen liegen.




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* Kisuaheli wird sich bereits kurze Zeit nach Einführung der Rechtschreibreform als deutsche Amtssprache durchsetzen.



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** Die sich logisch aufdrängende Schreibweise »wird gewesen sein« ist in der Praxis, das heißt in der deutschen Umgangssprache, leider bereits belegt durch eine n-prozentige Wahrscheinlichkeit eines tatsächlich vergangenen Ereignisses, zum Beispiel, wenn Ihr Hund einen undefinierbaren Stoffetzen zwischen den Zähnen hat und Ihre Frau zu Ihnen sagt: »Das wird der Postbote gewesen sein.«



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