| Neue Wege
ins All Eindrücke von einer Ausstellung im Hörsaalzentrum der TU Dresden (25.11.-5.12.03) |
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Die Ausstellung stellt Arbeitsergebnisse von drei DFG-geförderten Sonderforschungsbereichen vor: „Grundlagen des Entwurfs von Raumflugzeugen” (RWTH Aachen), „Transatmosphärische Flugsysteme” (TU München), „Hochtemperaturprobleme rückkehrfähiger Raumtransportsysteme” (Universität Stuttgart). Das deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ist ebenfalls mit mehreren Projekten in diese Sonderforschungsbereiche integriert.
Ein gewaltiger Feuerstoß hüllt die Rakete auf der Startrampe in
eine riesige Wolke ein, die Verbindungsleitungen zum Raketenkörper
fallen ab, die Haltearme der Startrampe klappen zur Seite, der
Feuerstrahl aus den Hecktriebwerken hebt die Rakete an, sie
beschleunigt ihren Aufstieg &ndfash; das waren die Bilder, die wir bisher bei
einem Raketenstart sahen. Das könnte sich in Zukunft jedoch radikal
ändern. Denn dieser Aufstieg ist ökonomisch aufwendig: Die in Erdnähe
noch dichte Luft setzt der Rakete einen erheblichen Widerstand
entgegen, außerdem ist die Erdanziehung ist in dieser Flughöhe noch
größer als in der Stratosphäre. Um möglichst schnell dem flugtechnisch
ungünstigen Bereich zu entkommen, starteten die Raketen bisher
senkrecht, was aber sehr starke Raketenmotoren erforderte. Während bei
den ersten Weltraumflügen die Astronauten in Rückkehr-Kapseln wieder
zur Erde gelangten, hat man später bereits wiederverwendbare
Raumgleiter ("Space shuttle") eingesetzt, die auch gestatteten,
bestimmte Arbeiten im Weltraum auszuführen. Als Transportmittel in den
Orbit diente aber weiterhin eine Rakete. Da diese hauptsächlich nur die
Treibstofftanks und die Raketenmotoren enthält, ist ihre Aufgabe nach
Absetzen des Shuttle im Orbit erfüllt. Die leergebrannte Rakete wird
aufgegeben und verglüht bei ihrem Absturz. Derzeit betragen die Kosten
für den Transport von 1 kg Nutzlast in den Orbit 11.000 $. Damit ist
die heutige Raumfahrt nicht nur ein technisches, sondern auch ein
ökonomisches Problem.
Wie soll nun das neue Konzept aussehen?

Im Mittelpunkt steht ein wiederverwendbares Raumtransportsystem, das
wie ein Verkehrsflugzeug auf einem normalen Flughafen starten und
landen soll. Eine Trägerstufe, die mit einem Überschall-Flugkörper
Ä,hnlichkeit besitzt und auch so wie dieser startet, befördert die
Oberstufe in eine Höhe von 30.000 m. Dort treten die noch gekoppelten
Flugkörper in eine Parabelflugbahn ein. Während dieses Parabelfluges
werden die Verankerungen der beiden Flugkörper gelöst. Die Orbitalstufe
entwickelt sodann einen aerodynamischen Auftrieb, der es ihr
ermöglicht, sich leichter und schneller von der Trägerstufe zu
entfernen. In sicherem Abstand erfolgt dann die Zündung des
Haupttriebwerks der Oberstufe. Sie beginnt den geneigten Steigflug in
den Orbit.
Die Trägerstufe kehrt nach Absetzen der Oberstufe wieder auf die Erde
zurück. Der Anflug auf ihren Zielflughafen ist mit dem eines
Verkehrsflugzeugs vergleichbar, er lässt sich auch in den normalen
Betrieb eines Flughafens integrieren. Da die Trägerstufe über einen
autonomen Antrieb verfügt, ist sogar ein erneutes Durchstarten möglich.
Ein geflügelter
Raumtransporter benötigt einen geringeren Schub als eine (ungeflügelte)
Rakete. Das Antriebsaggregat kann dadurch wesentlich leichter gehalten
werden. Zunächst arbeitet der Antrieb wie ein Turbo-Strahltriebwerk.
Nach Erreichen von Mach 3 bis 3,5 wird auf Staustrahl-Betrieb
umgeschaltet. Staustrahltriebwerke gewinnen die benötigte
Antriebsenergie durch Verbrennen von Wasserstoff mit Luft. Im
Überschallbereich ist dies aber ein besonders schwieriges Unterfangen.
Die extrem hohe Geschwindigkeit lässt die Verweildauer des Wasserstoffs
in der Brennkammer auf Bruchteile von Sekunden schrumpfen. Dabei ist
das zentrale Problem, eine sichere Zündung zu gewährleisten und die
Flamme stabil zu halten. Hierzu sind noch viele Untersuchungen
erforderlich.
Nach Beendigung ihrer Mission landet auch die Oberstufe wieder auf der
Erde. Allerdings ist ihre Landung komplizierter, da sie nunmehr ohne
Antrieb landet. Sie beginnt mit einem steilen Anflug, der in einen
großräumigen Abfangbogen übergeht. Die Landung erfolgt dann am unteren
Scheitel des Abfangbogens. Die Geschwindigkeit beträgt dabei etwa 400
km/h. Das ist für eine solches Fluggerät sehr langsam und damit
problematisch.
Grundsätzlich bestehen für die Anbringung der
Oberstufe an der Trägerstufe drei Möglichkeiten:
- Anbringung an der Oberseite (Huckepack-Lösung)
- Anbringung an der Unterseite
- Anbringung an der Spitze
Die Huckepack-Lösung, bei der die Oberstufe nach oben wegsteigt, bietet
die günstigsten Voraussetzung für den Orbital-Aufstieg und wird deshalb
bevorzugt.
Der Trennvorgang von
Träger- und Oberstufe ist sicherheitstechnisch von großer Bedeutung. In
dieser Flugphase ist die Kollisionsgefahr beider Flugkörper sehr hoch,
da ihr Abstand voneinander nur gering ist.
Er muss daher sorgfältig konzipiert und mit hoher Präzision ausgeführt
werden. Gefährlich sind horizontale oder vertikale "Verkantungen", die
durch Wirbel oder Turbulenzen verursacht werden können.
Beim Wiedereintritt
der Orbitalstation in die Erdatmosphäre bildet sich ein sogenannter
Verdichtungsstoß. Die Luft erhitzt sich auf 20.000 °C. Die
Wärmebelastung der Außenhaut beträgt mehr als 1 MW/m2.
Kein Metall ist im Stande, dieser Wärmebelastung standzuhalten. Als
besonders geeignet erwiesen sich dagegen keramische Verbundwerkstoffe,
die aus einer Matrix von Siliziumcarbid oder Kohlenstoff bestehen, in
die Kohlenstofffasern eingebettet sind. Sie zeichnen sich nicht nur
durch überaus hohe Temperaturbeständigkeit, sondern auch durch
niedriges Gewicht aus. Die Nasenkappe des Experimentalflugzeuges X-38
der NASA ist bereits aus einem derartigen Werkstoff gefertigt.
Die bei der Konzipierung und Erprobung dieser Raumflugtechnologie
gewonnenen Erkenntnisse können auch auf der Erde Anwendung finden. So
werden bereits Bremsscheiben für Straßenfahrzeuge, aber auch für den
ICE und für Flugzeug-Fahrwerke aus dem hochtemperaturbeständigen
Keramikwerkstoff SiC/C gefertigt, Sauerstoffsensoren können in dfr
Medizintechnik verwendet werden.
Ein auf die Erde zurückgeholter
Konzeptvorschlag zur dauerhaften Besiedlung des Mars, das "Space
House", könnte auch die Städteplaner auf der Erde interessieren. Es
zeichnet sich aus durch weitgehende Autonomie in der Wasser- und
Energieversorgung (effiziente und billige Sonnenkollektoren), ist gegen
Erdbeben und Unwetter durch leichte, ultrastabile und windschlüpfige
Konstruktion geschützt und ermöglicht flexible Bebauungspläne.
G.S.
Nachtrag
Wie die „Sächsische Zeitung“ vom 10.
Mai 2004
berichtete, ist der vollautomatisch gesteuerte Jungfernflug des
deutschen Raumtransporter-Modells
„Phönix“ am 8. Mai über einem Testgelände in Nordschweden erfolgreich
absolviert worden. „Damit haben wir bewiesen, dass wir die automatische
Landung eines unbemannten, wieder verwendbaren Raumtransporters
technisch beherrschen“, so Projektleiter Peter Kyrr vom
Raumfahrtkonzern EADS Space Transportation.